Meine DDR-Computer

von Olaf Zimmermann

Startbildschirm des CAOS-Betriebssystems (Computer-Anwender-Operating-System) der KC 85-
Serie. Ob die Techniker mit einem Augenzwinkern an Chaos erinnern wollten, ist nicht bekannt.

 

Die hier aufgeführten Computer aus meiner kleinen, sich gerade im Aufbau befindenden Sammlung stammen aus der DDR oder sind Nachbauten von DDR-Rechnern. Sie basieren überwiegend auf Z80-kompatibler Technik, insbesondere dem U880. Da die CPU-Architektur weitgehend einheitlich ist, unterscheiden sich die Systeme weniger durch den Prozessor als durch Betriebssysteme, Monitorprogramme, Modulkonzepte, Anzeigeformen, Massenspeicher und didaktische Zielsetzungen. Ein besonderes Plus der DDR-Computer ist die sehr gute und tiefgehende Dokumentation, die es auch heute erleichtert, Geräte zu reparieren und mit ihnen zu experimentieren.

In meiner Sammlung befinden sich unter anderem der Amateurcomputer AC1, der Ju-Te-Computer, die KC 85/3- und KC 85/4-Systeme, der LC-80, der Robotron Z9001 und der Robotron Z 1013.16.

Gerade unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft in der DDR entstand ein bemerkenswerter technischer Einfallsreichtum: Mit begrenzten Mitteln wurden flexible, modulare und langlebige Rechnerkonzepte realisiert. Auffällig ist zudem, dass in der Bundesrepublik Deutschland im selben Zeitraum keine eigenständigen Consumer-Computer entwickelt wurden; der Markt wurde dort fast vollständig von Importen geprägt. Die DDR-Computer markieren damit einen eigenständigen, oft unterschätzten Beitrag zur Mikrocomputergeschichte. Siehe hierzu auch " C64 + KC85: Meine systemübergreifende Zuneigung".

 

Nr. System (DDR) Jahr Systemtyp Betriebssystem / Monitor Anzeige / Grafik Massenspeicher / Schnittstellen Besonderheiten in meiner Sammlung
1 Amateurcomputer AC1 ab 1983 Selbstbau- und Ausbildungsrechner Monitor, BASIC (variantenabhängig) Text, optional Grafikmodule Kassette, Erweiterungsmodule Nachbau AC1-2010 im Vollausbau
2 Ju-Te-Computer ca. 1989/1990 Heim- und Lerncomputer Tiny BASIC im ROM Textausgabe Kassette, einfache I/O Nachbau von E. Mueller (2007)
3 KC 85/3 1986 Modularer Heimcomputer CAOS, BASIC Farbige Text- und Blockgrafik Modulschacht, Kassette Originalsystem mit Modulen
4 KC 85/4 1988 Erweiterter Heimcomputer CAOS, BASIC Farb- und Textgrafik Module, Diskettenoption Leistungsfähigstes KC-Modell
5 LC-80 1981 Lern- und Schulcomputer Monitor-ROM 6-stelliges LED-Display Kassette, einfache Erweiterungen Zentrales DDR-Lehrsystem
6 Robotron Z9001 1984 Heimcomputer (erste Generation) Monitor, BASIC Text und einfache Grafik Kassette, Erweiterungsports Vorläufer der KC-Reihe
7 Robotron Z 1013.16 1987 Mikrorechner-Bausatz / Ausbildungsrechner Monitor A.2 Text- und Quasigrafik (32×32 Zeichen, TV-Ausgabe) Kassette, parallele I/O, Erweiterungsbus Original-Bausatz, verbesserte ROM-Variante

 

Fehler sind in einer solchen Auflistung nicht gänzlich zu vermeiden. Ich freue mich über jeden Hinweis.

 

Kurzbeschreibungen:

  1. Amateurcomputer AC1 (1983)
    Der Amateurcomputer 1 (AC1) entstand Anfang der 1980er-Jahre nicht als Industrieprodukt, sondern als gemeinschaftlich entwickeltes Selbstbauprojekt aus dem Umfeld des Amateurfunks. Eine Gruppe um Frank Heyder konzipierte den Rechner als offene Standardhardware auf Basis des U880 in der DDR. Ziel war ein modularer, nachvollziehbarer Computer für Ausbildung, Experimente und Funkanwendungen. Der AC1 verfügt über getrennte Baugruppen für CPU, Speicher, Ein- und Ausgabe sowie optionale Massenspeicher- und Grafikmodule. Der in meiner Sammlung befindliche Nachbau AC1-2010 greift dieses historische Konzept auf, geht aber technisch weit über einen Original-AC1 hinaus.
  2. Ju-Te-Computer (ca. 1989/1990)
    Der Ju+TE-Computer ist ein in der DDR entwickeltes Homecomputersystem und basiert auf dem U883, der DDR-Variante des Zilog Z8 Mikrocontrollers. Im Gegensatz zu klassischen 8-Bit-Mikroprozessorsystemen integriert der U883 CPU, RAM, ROM, I/O-Ports und Timer in einem Baustein. Ein einfaches BASIC befindet sich im internen ROM (Tiny BASIC). Ich habe einen Nachbau von E. Mueller aus dem Jahr 2007.
  3. KC 85/3 (1986)
    Der KC 85/3 wurde 1986 eingeführt und nutzt einen U880 mit 1,75 MHz. Mit 64 kB RAM, monochromer Grafik und Modulkassettensystem war er ein zentraler DDR-Heimcomputer. BASIC-ROM und das Betriebssystem CAOS ermöglichen vielfältige Anwendungen im Bildungs- und Hobbybereich.
  4. KC 85/4 (1988)
    Der KC 85/4 erschien 1988 als Weiterentwicklung des KC 85/3. Er bietet Farbgrafik, serielle Schnittstelle, 64 kB RAM und eine große Palette von Modulen. Optionaler Diskettenbetrieb und moderne Erweiterungen (bis hin zu USB-Modulen) machen ihn zum leistungsfähigsten DDR-Heimcomputer.
  5. LC-80 (1981)
    Der LC-80 wurde 1981 in der DDR vorgestellt. Er besitzt einen U880 mit 1 MHz, 1 kB RAM, eine sechsstelliges LED-Display und eine HEX-Tastatur. Das Monitor-ROM ermöglicht direkte Speicher- und Registerzugriffe sowie Sprünge. Der LC-80 war ein zentrales Lernsystem im DDR-Technikunterricht.
  6. Robotron Z9001 (1984)
    Der Robotron Z9001 erschien 1984 als erster in Serie produzierter Heimcomputer der DDR. Er basiert auf dem U880-Prozessor (Z80-kompatibel) mit 2,5 MHz und verfügt über 16 kB RAM, Text- und einfache Grafikdarstellung sowie ein Kassetteninterface. Der Z9001 gilt als direkter Vorläufer der späteren KC-85-Reihe (KC 85/1 und KC 85/2) und markiert den Beginn der ostdeutschen Heimcomputerlinie.
  7. Robotron Z 1013.16 (1987)
    Der Robotron Z 1013 ist ein in der DDR vertriebener Mikrorechner-Bausatz auf Basis des U880 (Z80-kompatibel). Die Variante Z 1013.16 wurde ab 1987 ausgeliefert und nutzt den Monitor A.2 im ROM. Die Ausgabe erfolgt über TV (Text/Quasigrafik), Programme werden per Kassette geladen. Als Bausatz war das System für Ausbildung, Experimente und den Hobbybereich konzipiert und wurde häufig erweitert (z. B. RAM und I/O).

 

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